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Frühjahr 2016

WELTWEITE Beobachtungen

  • Trotz eines weltweit moderaten Aufschwungs befinden sich die internationalen Finanzmärkte in einer Baisse. Von einer Baisse wird allgemein gesprochen, wenn Kurse von Höchstständen mehr als 20% korrigieren. Weltweit haben sich Aktienindizes seit ihren Allzeithochs im Frühsommer 2015 zwischen 25 und 30% abgeschwächt.
  • Frühindikatoren in vielen Ländern deuten auf weiter moderates Wachstum in den Bereichen Dienstleistung und Konsum hin (>50).
  • Dagegen sind die Perspektiven für die Produktionsbereiche negativ (für „Manufacturing“ in China z.B. derzeit bei 48).
  • Weltweit herrscht eine eindeutig negative Erwartung für den Euro. Volumenstarke Marktteilnehmer wetten gegen den Euro, indem Sie in ungewöhnlich hohen Auftragsgrößen den Euro leer verkaufen und auf eine Parität zum USD wetten.

 

Warum wir die Lage in den USA negativ einschätzen und keine weiteren Zinsanhebungen, entgegen der allgemeinen Meinung, erwarten

Die letzten US Arbeitslosenzahlen waren unerwartet negativ. Es wurden weniger neue Stellen geschaffen als erwartet (nur 145.000 im Januar, entspricht der Hälfte der Zahlen vom Dezember).

Gleichzeitig zeigt sich die zunehmende Abhängigkeit der US Börsen von Aktienrückkäufen der Unternehmen. Ziel der Rückkäufe ist es, durch Verringerung der Aktienanzahl den Gewinn pro Aktie zu erhöhen und damit für steigende Kurse zu sorgen. Trotz dieser Aktienrückkäufe fielen die US Gewinne je Aktie um etwa 7% im vergangenen Jahr.

Hinzu kommt die Konkurse vieler US Fracking Firmen, die den Arbeitsmarkt und US Banken zunehmend belasten werden. Die Summe der „faulen“ Ölkredite bei US Banken werden auf 280 Milliarden USD geschätzt, wovon akut ausfallgefährdet etwa 40 Mrd Dollar sind.

Anders als die großen Indizes wie z.B. Dow Jones oder S&P 500 sind breiter gefasste Indizes (Russel 200 Index) in den vergangenen Monaten deutlich stärker gefallen. Sie befinden sich etwa auf dem Stand von vor zwei Jahren. Hochkapitalisierte Aktien wie die „FAANGT“- Gruppe (Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google und Tesla) verfälschten die Entwicklung der US Indizes und senden ein falsches Bild über die tatsächliche Lage am US Finanzmarkt.

Warum für uns die Lage in China kein Grund für eine Baisse ist

Die chinesische Notenbank hat erst begonnen, durch starke Liquiditätsspritzen eine geldpolitische Lockerung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen umzusetzen. Dieses Mittel wird von der FED und der EZB bereits seit der Finanzkrise 2008 eingesetzt.

Die chinesische Volkswirtschaft wächst immer noch mit den weltweit höchsten Raten von 4 etwa -6%. Dabei verlagert sich das Wachstum, gewollt, hin in Richtung Konsum und Dienstleistung.

Bisher wurde die Abwertung des Yuan, (von Hedgefonds initiiert und danach beim WEF in Davos publikumswirksam angekündigt) als größte Gefahr für eine Baisse gesehen. Auch diese vermeintliche Gefahr sehen wir als nicht realistisch, da die befürchtete Kapitalflucht in den Dollar zum Stillstand gekommen ist. Es wurden in den letzten Monaten vermehrt Kredite in USD aufgelöst und in Yuan aufgenommen. Zudem könnten, falls wirklich erforderlich, notfalls dirigistische Maßnahmen die Kapitalflucht ins Ausland eindämmen.

So gab es denn auch im Januar Rekordzuwächse bei der chinesischen Kreditgewährung in Yuan. Hinzu kommt ein deutliches Wachstum des Immobilienmarktes bei gleichzeitig vernünftigen Beleihungsgrenzen. Ebenso boomt der Konsumsektor mit einem Plus von 11,3%, wobei es eine, von der Regierung gewollte, Umschichtung vom Export zu Konsum und Dienstleistung gibt.

Warum für uns der tiefe Ölpreis kein Baisse-Grund ist

Der Ölpreis sinkt nicht wegen einer vermeintlich bevorstehenden Rezession, sondern wegen extremer Angebotsausweitung. Es wurden z.B. die Fördermengen in den USA letztes Jahr verfünffacht.

Im Jahr 2015 steig der weltweite Ölverbrauch um 1,8 Millionen Barrel pro Tag, für 2016 wird ein weiterer Anstieg von 1,5 Millionen Barrel pro Tag prognostiziert, China allein kommt davon für etwa 400.000 Tonnen täglichen Anstiegs auf.

Folge des Überangebots ist ein von 90 auf unter 30 Dollar pro Fass gesunkener Ölpreis. Wegen der heraus erwarteten Haushaltsdefizite verkaufen die Ölförderländer vermehrt Aktien aus ihren Staatsfonds. Auch diese Verkäufe werden als Grund für die sinkenden Kurse an den Finanzmärkten herangezogen.

Hierfür muss man sich klarmachen, dass die ölproduzierenden Länder derzeit über Währungsreserven in Höhe von 3,3 Billionen Dollar verfügen. Saudi-Arabien muss geschätzt etwa für 75 Milliarden USD an Währungsreserven in Form von Aktien verkaufen. Das ist etwa 1/700 der Welt Aktienkapitalisierung und wird daher keine kursbeeinflussende Wirkung haben.

Nebenbemerkung: Das wichtigste Aktiva Deutschlands sind Goldreserven in Höhe von 0,1 Billionen USD, diese lagern in den USA und dürfen bis 2020 nur zu 10% zurückgeholt werden Weitere Aktiva in Höhe von 584 Milliarden Euro als Target 2 Forderungen gegenüber Südeuropäischen Ländern würden bei Auseinanderfallen der Euro Zone abgeschrieben werden müssen.

Wo sehen wir eher eine Gefahr für eine mögliche vorübergehende Börsenkrise?

Eine wirkliche Gefahr sehen wir tatsächlich bei Russland, das neben drastischen Einnahmeverlusten durch den Ölpreis zusätzlich durch Sanktionen geschwächt wird, was die Wirtschaftsleistung von 14.000 auf 7.000 Dollar pro Einwohner einbrechen lassen wird.

Marktteilnehmer verdrängen die positiven Konkunktureffekte eines niedrigen Ölpreises: dieser kann zwar nicht unmittelbar, aber bereits mittelfristig deutliche volkswirtschaftliche Vorteile für den Weltkonsum bedeuten. Diese konjunkturfördernde Wirkung war weltweit in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre zu beobachten mit einem mehrere Jahren andauernden, starken wirtschaftlichen Aufschwung.

Wir erwarten spätestens für das zweite Halbjahr 2016 einen deutlich steigenden Ölpreis, da Produktionskapazitäten (Anzahl der Bohrtürme) in den USA bereits jetzt zurückgefahren werden und führende Ölmächte die Fördermengen reduzieren wollen.