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AUSBLICK ZWEITES HALBJAHR 2016

Rückblick Erstes Halbjahr 2016

Das Börsenjahr 2016 startete mit einem ungewöhnlich starken, weltweiten Rückgang der Kurse an den Finanzmärkten. Eine Konsolidierung hatte zwar schon im April 2015 begonnen, die Einbrüche von Jahresanfang bis Februar 2016 Einbrüche von über 25%, bedeuteten per Definition eine echte Baisse.
Die geäußerten Gründe für diesen Einbruch waren ein viel zu starker US-Dollar, der zu niedrige Ölpreis, der bevorstehende Wirtschaftseinbruch in China und die Wirtschaftsschwäche im Euroraum. Zeitweilig wurden auch politische Belastungen durch bevorstehende Wahlen in Spanien, Frankreich und den USA sowie Kurswechsel der Politik z.B. in Portugal, als Begründung für die Marktschwäche herangeführt.
Im Laufe der folgenden Monate wurden die Belastungsfaktoren weitgehend entkräftet, was zu einem Anstieg der Finanzmärkte auf den Stand von Ende 2015 führte, also immer noch weit unter den Allzeithochs von April 2015. Die US-amerikanischen Indizes bewegen sich aktuell aber in der Nähe ihrer Allzeithochs.
Besonders außerhalb der USA war die Stimmung in den vergangenen Monaten schlechter, als die Lage. Diese Situation begünstigt seitdem die positive Kursentwicklung. Da weltweit auch kein inflationsfördernder Konjunkturboom einsetzte, hielten sich die Notenbanken wie erwartet zurück und beließen die Zinssätze nahe Null. Auch das von vielen Marktteilnehmern mehrfach erwartete Anheben der Leitzinsen durch die US Notenbank FED ist bisher ausgeblieben. Die viel beachteten Frühindikatoren wie Auftragseingänge und Verbrauchervertrauen führten ebenfalls weder zu Euphorie noch zu gefährlichem Pessimismus, fehlende Eindeutigkeit lässt die FED nach wie vor zögern.
Die nach wie vor niedrige Investitionsneigung führt weiter zu größeren Barreserven der Unternehmen, die zum einen zu Aktienrückkäufen, zum anderen zu höheren Dividendenausschüttungen führt- beide bewirken die anhaltende wenngleich eher verhalten positive Kursentwicklung. Auch die Edelmetalle scheinen einen Boden gefunden zu haben und entwickelten sich im ersten Halbjahr erfreulich positiv.

Aktuelle Marktbeurteilung

Erstmals seit 18 Jahren sind die drei großen US Indizes gleichzeitig in der Nähe ihrer Allzeithochs, der am breitesten gefasste „Value Line“ Index aber noch 5% unter seinem Hoch von 1998. Der Nikkei Index ist weniger als die Hälfte wert wie 1989, der deutsche Kursdax liegt 20% unter dem Wert von 2000.
Die Gewinne der US-Unternehmen sind in den vergangenen zwei Jahren um 20% gefallen, während die Aktienkurse um 10% stiegen. Die Gewinne liegen jetzt wieder auf dem Niveau von vor 10 Jahren. Auch in anderen Bereichen der Welt sind Aktien zum Teil massiv teurer als es nach langjährigen Maßstäben gerechtfertigt wäre.

Diese Vergleiche zeigen eine vorhandene Diskrepanz einzelner Indizes und die offensichtliche Abkoppelung einiger Finanzmärkte von messbaren Wirtschaftszahlen wie z.B. Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosenzahlen, Handelsbilanz oder Staatverschuldungen.
Die Märkte scheinen den Wert von Aktien nicht mehr absolut, sondern im Vergleich mit Anlagealternativen zu beurteilen: zuletzt war der Anteil von Aktien, deren Dividendenrenditen oberhalb der von 10-jährigen Staatsanleihen lag, mit 65% im Jahr 1974 so hoch. Was dann folgte war eine mehrjährige Aktienhausse.
Bei dieser Berücksichtigung muss jedoch von der Annahme ausgegangen werden, dass die Zentralbanken die Zinsen nicht hinaufsetzen. Sie tun das traditionell, wenn die Inflationsraten ansteigen, was weder in Europa (0,2%) noch in den USA, 0,8% der Fall ist. Hier spiegelt sich die Inflationsrate in einer geringen Investitionsneigung der Unternehmen und einer sinkenden Wachstumsrate privater Investitionen wider. Nach wie vor ist der US Bürger dreimal so hoch verschuldet wie der Chinese, dazu kommt die stark gestiegene Verschuldung der US Unternehmen, hervorgerufen durch Kreditaufnahmen für Aktienrückkäufe, die deutliche Anstiege bei Konsum und Investitionen nicht wahrscheinlich machen.
Wir gehen dennoch von einer leicht ansteigenden Verschuldungsbereitschaft der Bürger sowie vermutlich steigenden Staatsausgaben aus, was typisch für das Jahr nach einer Präsidentschaftswahl ist.

Die deutsche Konjunktur entwickelt sich erfreulich und deutlich besser, als prophezeit, inklusive völlig unerwarteter Überschüsse. Gründe hierfür sind der steigende Konsum, hervorgerufen durch höhere Lohnabschlüsse, und höhere Staatsausgaben. Durch den negativen Zins sparte der Staat durch geringere Schuldzinsen in diesem Jahr bisher 1,5 Mrd. Das 1,8% Wachstum in Deutschland (ohne höhere Staatsverschuldung) steht einem Wert von 1,2% in den USA gegenüber, für die sich die USA aber mit etwa 3% neu verschulden muüssen. Ließe Deutschland höhere Staatsdefizite zu, wie z.B. die USA in den nächsten Jahren mit von uns erwarteten 5%, würde das deutsche Wirtschaftswachstum in der Nähe Chinas liegen, dem weltweit höchsten mit 6,5%.
Die jüngsten Wachstumszahlen China sind die höchsten Raten weltweit. Ein Plus von 10,2% im Einzelhandel und 6% in der Industrieproduktion spiegeln die anfangs des Jahres am WEF in Davos publikumswirksam von US Hedgefonds inszenierten Untergangsszenarien in keiner Weise wider. Damals wurde vor einer unkontrollierten Abwertung der Währung gegen den USD gewarnt. Der Yuan ist seitdem aufgewertet und die Währungsreserven Chinas sind entgegen der Ankündigung gestiegen. Auch Konsumausgaben im Internet steigen deutlich an (Alibaba +50%). Das im Westen seit Jahren aufgetischte China Märchen (Hard Landing) findet nicht statt.
Auch das Haupt-Sorgenkind Japan ist auf dem Wege der Besserung. Der angespannte Arbeitsmarkt lässt deutliche konsumfördernde Lohnansteige vermuten, der Staat wird die Wirtschaft zusätzlich durch Konjunkturprogramme ankurbeln. Auch die Zinsen liegen auf niedrigem Niveau. Der japanische Aktienmarkt ist international der am günstigsten bewertete (neben Hongkong und Russland) mit einem erwarteten KGV von 12-13. Die Dividenden sind ähnlich hoch wie in den USA (2,3%) aber es werden in Japan nur etwa 30% der Gewinne ausgeschüttet, an der Wall Street etwa 60%. Nach einem viertel Jahrhundert schwacher Konjunktur sind die Unternehmensschulden nur noch gering, die Aktienrückkäufe entsprachen nur einem Zehntel denen in den USA. Für das kommende Jahr wird mit einer Dividendensteigerung um 8% gerechnet, zudem gehen wir von höheren Aktienrückkäufen der Unternehmen aus.
Japan ist die einzige Börse, an der die Unternehmensgewinne in den letzten zwei Jahren stärker stiegen als die Aktienkurse, die Bewertung der Aktien also gesunken ist.

Schlussfolgerung für Aktienmärkte

Blickt man in die nähere Zukunft, ist die Markttechnik zwar hilfreich, darf aber nicht überbewertet werden. Ganz kurzfristig werden zu starker Optimismus (aktuell zurückgehende Leerverkäufe) die Entwicklung bremsen. Demgegenüber stehen die längerfristig maßgeblichen Einflüsse aus Zins- und Liquiditätspolitik der Notenbanken. Die sehr positiven monetären Rahmenbedingungen könnten auch dazu führen, dass die Kurse in den nächsten Monaten ohne weitere Unterbrechungen steigen.
Vorsichtshalber sollten Anleger davon ausgehen, dass die Markttechnik die Entwicklung vorübergehend bremst.
Die US Notenbank scheint derzeit überfordert, allein durch ihre Maßnahmen konjunkturpolitisch den de facto Stillstand der US Politik zu kompensieren. Seit Jahren ist ihre Geldpolitik wirkungslos, die „nach-Crash-Erholung“ war noch nie so schwach, die Prognosen hinsichtlich Arbeitslosigkeit, Inflation und Produktivität noch nie so lange und nachhaltig fehlerhaft. Offenbar befindet sich die FED in einer Fehldeutung der ökonomischen Lage. Warum z.B. die Löhne nicht deutlich steigen bei laut Statistiken gegebener quasi Vollbeschäftigung, sagt die FED nicht.
Insgesamt halten wir an unserer Prognose eines positiven Verlaufs für die verbleibenden Monate des Jahres 2016 fest. Das gilt sowohl für die voraussichtliche Welt-Konjunkturentwicklung (keine wirklichen Gefahrenpotentiale) als auch im Hinblick auf die Finanzmärkte, wo relativ hohe Barreserven von Fondsmanagern, bald neue Anlagemöglichkeiten suchen werden.
Die Kombination aus sehr guter monetärer Ankurbelung und leicht positiver Konjunktur bietet die besten Rahmenbedingungen für tendenziell steigende Aktienkurse. Eine zu starke Konjunktur dagegen brächte Gefahren von Zinserhöhungen mit sich, die für die Finanzmärkte negativ wären.