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Wirtschaftlicher und politischer Ausblick

Börsenjahr 2017

  • 2016 war ein politisches Aktienjahr, 2017 dürften sich politische Einflüsse durch ungewisse Aktivitäten des US Präsidenten, bevorstehende Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland, auch in Bundesländern, noch verstärken
  • In Deutschland verliefen fast 60% der Kurse der größten Aktien negativ, ähnlich in der Schweiz, wo die Indexschwergewichte aus Konsum und Pharma durch Gegenwind aus den USA gedrückt wurden

 

Warum sind wir per Saldo optimistisch für 2017?

Aktien sind zwar in vielen Ländern derzeit historisch teuer. Aber der Mangel an Anlagealternativen, steigende Unternehmensgewinne, ein erwarteter Anstieg von Aktienrückkäufen, und die Repatriierung von US Geldern aus Steueroasen erhöht die verfügbaren Mittel für Dividendenerhöhungen oder Schuldenabbau/Neuinvestitionen.

Wir erwarten keine drei Zinssteigerungen für 2017, wie von der FED angekündigt, weil das eine zu starke Konjunkturbelastung darstellen würde und folglich aus unserer Sicht der Hauptbelastungsfaktor für die Börsen wäre. Die Konjunktur wird sich weder in den USA, noch in anderen Ländern so stark verbessern, das eine Zunahme der Inflation auslösen kann. Außerhalb der Immobilienpreise ist der Preisanstieg sehr gedämpft, nur Öl belastet noch vorübergehend. Der Welthandel stagniert zudem seit drei Jahren, bis 2013 wuchs er jährlich um 3-4%. Vor dem Hintergrund eines stärkeren US Dollars und gestiegener Hypothekenzinsen (für 30-jährige um 4%) in den USA dürfte das 1. Quartal 2017 konjunkturell sogar leicht enttäuschen, was wesentlichen Druck von der FED nehmen würde.

Ein weiterhin also erwarteter nur moderater Aufschwung wäre für die Aktienmärkte die beste Alternative. Wir erinnern uns, dass Anfang 2016 vier Zinserhöhungen angekündigt wurden, es gab dann nur eine im Dezember.

Optimisten erwarten Impulse aus den Billionen USD, die US Firmen in Steueroasen geparkt haben, weil sie zu Steuerquoten wie Apple (0,05 %) tätig sind. Sollte Trump diese Rückführungen wie angekündigt mit nur 5-10% besteuern, würden über eine Billion USD zusätzlich ins Land fließen.

Die Chancen für Europa sehen wir als intakt an. Die Konjunktur entwickelt sich besser, als erwartet, die Investoren sind unterinvestiert, der Optimismus ist gedämpft. Auch werden größere Umtauschprozesse von Anleihen on Aktien erwartet, was Aktien stützen dürfte.

Fazit:
Weltweit signalisieren die Indikatoren eine anhaltend leichte Konjunkturbesserung, aber keinen Boom, der Inflation -und zinstreibend wäre.

 

Welches sind die Hauptgefahren für die Entwicklung an den Finanzmärkten?

Der von 3,5% auf 4,2% gestiegene Hypothekenzins und der festere US Dollar lässt eher ein Abflauen der Konjunktur erwarten. Die Konjunkturstimulierung durch höhere Staatsausgaben im Infrastrukturbereich wird erst 2018 wirken, denn die Planung erfordert eine längere Zeit und eine zügige Umsetzung angesichts niedriger Arbeitslosenzahlen und extremem Fachkräftemangel wird schwierig werden. Selbst 100 Mrd. Dollar Investition im Bausektor entsprechen nur 0,5% des US BIP. Die hohe Verschuldung einer Volkswirtschaft macht Zinserhöhungen besonders gefährlich. Die US Verschuldung wird offiziell mit 108 % des BIP ausgewiesen, in Deutschland mit 68%. In den US Zahlen sind jedoch die Kredite für die de facto Staatsbetriebe Fannie Mae und Freddie Mac außer Acht gelassen, und auch an Studenten ausgegebene Kredite, die immer seltener zurückgezahlt werden, finden hier keine Berücksichtigung De facto liegt die US Staatsverschuldung bei 140% des BIP. Zusammen mit den Schulden von Unternehmen und Verbrauchern verdoppelt sich diese Zahl noch einmal.

Donald Trump hat die US Notenbank für die niedrigen Zinsen kritisiert und dieses als Fehler beurteilt. Angesichts der horrenden Gesamtverschuldung liegt er mit dieser Aussage falsch. Genauso falsch ist seine Aussage, die Chinesen würden ihre Währung abwerten und damit den USA schaden, was einen 45% Zoll auf Einfuhren aus China rechtfertige. Dass er es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, oder nichts von Wirtschaft versteht, zeigt die Tatsache, dass die Chinesen alleine 2016 für 800 Mrd. USD verkauften und somit den Dollar geschwächt haben, nicht die eigene Währung.

 

Rohstoffaktien und Schwellenländeraktien

Anders als früher, ist ein starker US Dollar für die Rohstoff- und Schwellenländer nicht mehr belastend, vielmehr sind positive Frühindikatoren und die größere Nachfrage nach Rohstoffen für die Branche aktuell positiv. Wir erwarten für diesen Sektor die höchsten Gewinnsteigerungen in diesem Jahr, weshalb Energie- und Rohstoffaktien besser als der Markt abschneiden dürften. Viele Minengesellschaften konnten ihre Kosten senken, sie notieren heute zu Preisen wie früher bei deutlich tieferen Gold- und Silberpreisen. Lediglich gewinnbelastende Übernahmen lassen die Erwartungen in diesem Sektor nicht noch höher werden.

 

China - Rekorde

Die chinesische Konjunktur wird eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Weltwirtschaft spielen. Das Land sonnt sich im Moment mit historischen Rekordzahlen: 27,5 Millionen verkaufte Autos 2016 gegenüber 17 Millionen in den USA. Experten rechnen mit 30 Millionen Fahrzeigen für Mitte nächsten Jahrzehnts. China verbraucht jährlich so viel Zement wie die USA in 30 Jahren. Die chinesischen Unternehmensgewinne stiegen zuletzt zweistellig, die Löhne um 5%. Die Chinesen haben ihre Konjunktur nicht, wie der Westen, mit Gelddruckprozessen und einer künstlichen Geldmengenexplosion angetrieben, jedoch mit Krediterleichterungen für den Immobilienmarkt und Steuererleichterungen für Automobilkäufe. In den Großstädten haben viele Wirtschaftsteilnehmer zum Teil erhebliche Kredite für reine Immobilienspekulationen aufgenommen, die Konsumentenverschuldung liegt in China aber nur bei einem Bruchteil der in den USA. Durch die tatsächlich eingetretene Überhitzung des Immobilienmarktes in einigen Millionenstädten kann die chinesische Konjunktur im 2. Halbjahr 2017 gedämpft werden.

Sollte nun Donald Trump gegen China Handelshemmnisse einführen, was er ohne Parlament leicht umsetzen kann, würde die chinesische Konjunktur von der Exportseite unter Druck kommen. Täglich exportieren die Chinesen für 1 Mrd. Dollar mehr in die USA, als die USA nach China.

 

Währungen, Zölle und Wirtschaftswachstum

Um die chinesische Währung aufzuwerten, wäre theoretisch eine deutliche Dollarabwertung notwendig. Jedoch führen starke Investitionen zu höherer Inflation und somit eher zu einer Zinserhöhung und letztlich Anstieg des USD. Das würde jegliche Wirtschaftsankurbelung durch Binneninvestitionen zunichtemachen. Zölle würden China und den USA schaden. China durch Konjunkturabschwung und Arbeitsplatzverluste im Export. Den USA aufgrund drastischer Verteuerung der Waren, dadurch Absinken des Lebensstandards und nachfolgenden Anstiegs der Inflation und des US Dollars. Das würde US Waren verteuern und Ausfuhren drastisch einbrechen lassen.

Das US Handelsbilanzdefizit hat sich innerhalb der letzten 20 Jahre auf 20.000 Milliarden, also 20 Billionen USD aufgebläht. Für diese Summe haben die USA mehr Waren und Dienstleistungen importiert als exportiert, im Austausch gegen grün bedrucktes Papier. Vor dem Hintergrund des Hypes in Sachen steigender US Dollar würde sich diese Situation nochmals verschlimmern.

Wie sehr das tatsächliche Wachstum der USA überschätzt wird, zeigt die Schätzung der FED Atlanta von aufs Gesamtjahr hochgerechneten 2,9% für das letzte Quartal 2016. Diese Prognose nur einen Tag vor den tatsächlichen Zahlen, wurde von vielen Beobachtern blauäugig und naiv bejubelt. In Wirklichkeit wurde ein Wachstum von 1,9% erreicht. Als die Konjunktur im 3. Quartal hochgerechnet um 3,5% wuchs, brach bereits allgemeine Konjunktur-Euphorie aus. Diese Zahlen resultierten hauptsächlich aus dem Preisanstieg bei Sojabohnen und die dadurch gestiegenen Exportzahlen. Im 4. Quartal gingen die Preise für Sojabohnen wieder zurück. Wenn nun die US Handelspartner aus Rache an den US Einfuhrzöllen in den USA keine Sojabohnen mehr kaufen, verbleit als einziger großer Exportzweig neben Agrarexporten nur noch die Rüstungsgüter. Hier geht viel an Saudi-Arabien und Pakistan, beide Länder sind nicht auf der Liste der sieben Staaten, für die Einreisestopps gelten.

Wenn man nun das geschrumpfte 4. Quartal analysiert, beruhte das Wachstum zu über der Hälfte auf Lageraufbau in Höhe von 42 Mrd. USD von unverkaufter Ware der US Industrie. Erhöhte Lagerbestände führen aber zu Konjunkturbelastungen in den Folge-Quartalen, da unverkaufte Waren zuerst abgesetzt werden müssen und erst danach wieder die Produktion erhöht wird.

Insgesamt wuchs die oftmals gerühmte US Konjunktur 2016 um 1,6%, der schlechteste Wert seit sechs Jahren, die deutsche Konjunktur dagegen um 1,9%.

Der einzige Grund, der für einen festeren US Dollar spricht, sind die gestiegenen Zinsdifferenzen, gegenüber Deutschland, hier ist der Zinsabstand so hoch wie seit den 80er Jahren nicht mehr. Alle anderen volkswirtschaftlichen Größen sprechen gegen einen stärkeren US Dollar.