Wallpaper

Börsenlage Februar 2018

 

Allgemeine Beurteilung

Der Dow Jones verbuchte an diesem "dunkelgrauen Montag" (05.02.2018) den größten absoluten Tagesverlust aller Zeiten: In seiner 133-jährigen Geschichte war das Börsenbarometer noch nie so viele Indexpunkte gefallen. Die Nervosität ist zurück an den Aktienmärkten, und damit eine große Verunsicherung, die die Kurse nun wieder stärker ins Schwanken bringen dürfte.

Es ist nicht nur die Dimension des Kursrutsches, die für Verunsicherung sorgt, sondern der Mangel an schlüssigen Erklärungen. Erklärungsversuche gibt es viele, als da wären der computergesteuerte Hochfrequenzhandel, der anders als früher leichter Kettenreaktionen auslösen kann, komplexe Finanzprodukte, die nicht auf Kurse, sondern auf deren Schwankungen wetten. Doch ein konkreter Auslöser für den steilen Absturz ist noch immer nicht gefunden.

Die amerikanische Wirtschaft läuft rund, es herrscht nahezu Vollbeschäftigung, und der Mix aus schwachem Dollar, Steuerreform und Deregulierung wird die Gewinne der US-Unternehmen nicht einbrechen lassen.

Der Crash erfolgte, weil es zu rund läuft, weil die Löhne in einem Monat zu stark gestiegen sind, die Inflation also zu stark anziehen könnte – verbunden mit der einer Angst vor steigenden Zinsen. Wir erwarten nicht, dass die amerikanische Notenbank die geldpolitischen Zügel stärker strafft, als bisher angekündigt.

Dass der neue FED Chef Jerome Powells erste Amtswoche ausgerechnet mit einem Börsenbeben beginnt, ist ein Zufall. Der Republikaner ist Trumps Wunschkandidat. Powell wird nicht den Wachstumskurs des Präsidenten geldpolitisch behindern.

Sollte die Angst vor steigenden Zinsen aber weiter um sich greifen, wird Powell aber kaum die begonnene Zinswende, verstärken. Keine leichte Aufgabe für Fed-Chef Powell, der im März seine Feuertaufe zu bestehen hat und dann voraussichtlich den vorerst letzten Mini- Zinsschritt ankündigen wird.

Nur dann, wenn die FED die Zinsen tatsächlich dreimal bis viermal erhöht und gleichzeitig die Liquidität mit einer jährlichen Rate von 600 Mrd. USD reduziert, kann es im Jahresverlauf noch zu einer deutlicheren Korrektur kommen. Die FED hat allerdings in der Vergangenheit gezeigt, dass sie bei Wall-Street Abstürzen die Zinsen schnell wieder lockert. Es ist also denkbar, dass sie spätestens im Herbst (nach einer möglichen deutlichen Abwärtsbewegung) die „Politik der Normalisierung“ aufgeben wird. Die bekannten „unorthodoxen“ Ankurbelungsmaßnahmen würden dann wieder greifen und eine neue Hausse beginnen.

 

Und Europa?

Die gut laufende Konjunktur in Europa rechtfertigt die Nullzinsen und das Anleihenkaufprogramm durch die EZB schon lange nicht mehr. Andererseits kann der EZB-Präsident keine größeren Turbulenzen an den Aktienmärkten riskieren. Was bleibt von diesem Börsenbeben, sind in jedem Fall unruhigere Zeiten, nicht nur für Anleger, sondern auch für die Notenbanker rund um den Globus. Diese sind nun in der Pflicht, Übertreibungen an den Märkten und Blase zu verhindern, möglichst ohne größere Verwerfungen.

Wie abhängig die Börsen weltweit vom billigen Geldes sind, wurde in dieser Woche deutlich. Die Notenbanken in den USA und auch in Europa sollten den Entzug mit Augenmaß, aber auch mit einer gewissen Konsequenz durchziehen

 

Technische Beurteilung der Situation in den USA

Seit den letzten Januartagen gab es gravierende Rückgänge an den Finanzmärkten von 8-10%. In den letzten neun Jahren vollzog sich der Aufschwung an den Kapitalmärkten wegen weitgehend inflationslosem moderaten Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig starkem Wachstum der Geldmenge M1. Beide Indikatoren sind nach wie vor gültig.

Am 2. Februar wurden jedoch aus den USA erstmals wieder 2,9% Lohnsteigerung gemeldet. Diese Meldung verstärkte die Sorgen vor einem möglichen Inflationsanstieg und nachfolgend deutlichen Zinsanhebungen.

Viele Marktteilnehmer nahmen dieses Szenario zum Anlass, Vergleiche zu 1987 zu ziehen. Damals wie heute waren sowohl Ursache als auch Anlass für den Börseneinbruch die gleichen:

  • Extreme Spekulationsbereitschaft der Anleger
  • Deutlicher Dollarabsturz (damals jedoch aufgrund Zinsanhebung durch die Bundesbank)

Andere wichtige Faktoren sind jedoch nicht mit 1987 vergleichbar:

  • US Staatsanleihenzinsen liegen heute mit 2,8% bei einem Bruchteil der 10% beim 1987er Crash
  • Die Geldmenge wächst heute mit 8%, 1987 nur um 3%.

Heutige extreme Aktienmarktsituation trifft für die Bewertung an der US Börse aber aus folgenden Gründen doch zu:

  • Fundamental noch nie so hohe Bewertung, auch 2000 nicht wie heute
  • Nur 2% Leerverkäufe, einer der niedrigsten Werte seit der Finanzkrise
  • Geringe Anleger-Barreserven, auf 2% gesunkene Sparquote
  • Put Call Ratio zeigt Überoptimismus (schwankt normal zwischen 70 und 110 Indexpunkten, aktuell bei 75 = Verkaufssignal)
  • Die Börsenkredite befinden sich im Verhältnis zur Marktkapitalisierung auf Rekordniveau seit der Finanzkrise
  • Größter (Umfrage)- Optimismus bei Beratern und Anlegern seit 1986
  • US 2 Jahreszinsen mit 2,1 % immer noch niedrig, aber auf einem 10-Jahreshoch
  • Hypothekenzinsen in kurzer Zeit von 3,4% auf 4,3 % gestiegen
  • US Wirtschaft wächst nur aufgrund von Sondereffekten (Ersatz Investitionen wegen Unwetterschäden) und einer Sparquote der Verbraucher auf 12-Jahrestief (2,6%)

 

Tipp für Sie als Privatanleger

Wenn Sie an die Innovationskraft der Unternehmen und weiteren technischen Fortschritt glauben, kaufen Sie weiter Aktien von Unternehmen, breit gestreut.

Wer so anlegt, hat keinen Grund, bei dem derzeitigen Börsenbeben nervös zu werden. Seit Jahrhunderten gibt es technischen Fortschritt, seit Jahrzehnten steigt der Wohlstand in Deutschland und der DAX von 1000 Punkten 1987 auf 12000 Punkte heute.

Das ist keine grade Linie. Aber es gibt einen Zusammenhang zwischen steigenden Unternehmensgewinnen und Aktienkursen. Wer daran glaubt, kann den Rest ausblenden. Konzentrieren Sie sich nur auf diesen Zusammenhang.

Alles andere ist der Versuch von Zockern, die richtigen Zeitpunkte zu erwischen. Niemand kennt den richtigen Zeitpunkt, zu kaufen oder zu verkaufen, das sollte jedem Anleger klar sein. Keiner wusste vorher, als der Dow Jones zu Wochenbeginn den höchsten Verlust seiner Geschichte innerhalb eine Stunde machte: Minus 1000 Punkte.

Wer die Nerven behält und solche Marktzuckungen aushält, wird langfristig reichlich entlohnt. Garantien dafür gibt es keine. Aber die Erfahrungswerte sind eindeutig.

 

Bedeutung des Vermögenseffekts durch Finanzmärkte

Die US Konjunktur ist sehr abhängig vom Vermögenseffekt. Schätzungen besagen, dass der jüngste Kurseinbruch den Konsum der Amerikaner um 10 Mrd. Dollar drücken dürfte, ein Wachstumsverlust von 0,5% p.a.

Die Amerikaner besitzen rund 30 Mrd. Dollar an Aktien, das 1,5 fache des aktuellen gesamten US-Staatshaushalts . Viele Bürger haben ihre Altersversorgung auf Aktien aufgebaut. Bei einer Aktienbaisse würden sich die Konsumbereitschaft und die Deckung der Pensionsfunds deutlich verringern, die Gewinne der Unternehmen belasten und die Kurse dadurch noch mehr nach unten treiben . Diesen Konsumeinbruch kann sich die Wirtschaft nicht leisten. Eine wirkliche Baisse würde also die Fed veranlassen, die Zinsen sofort zu senken und Staatsanleihen zu kaufen.

Die US Amerikaner besitzen das 6-7 fache des US Bruttosozialproduktes an privatem Vermögen. Dazu gehören kaum festverzinsliche Wertpapiere = Schulden. Diese Schuldenfinanzierung Amerikas überlässt man dafür den Ausländern, hauptsächlich Chinesen und Japanern, beides die größten Besitzer von US-Staatsanleihen.

Wenn ein US Amerikaner vor 90 Jahren sein Geld in US Aktien investiert hat, so liegt seine heutige Rendite um das 40-fache über der erzielten «Festgeldrendite». In Deutschland ist der Vermögeneffekt deutlich geringer. Nur ein Zehntel der Deutschen besitzt Aktien. Die zunehmend links orientierten Politiker werden sich hüten, Aktienanlagen zu begünstigen. Dabei müssten sie ihren Währen das Thema Altersvorsorge durch Kapitalgewinne näher bringen und begünstigen. Kein deutscher Politiker würde behaupten, Aktien zu besitzen, oder dafür eintreten, das Thema Geldanlage zum Schulfach zu machen. Später verlieren dann unerfahrene Deutsche ihr hart verdientes Geld am grauen Kapitalmarkt, Mittelstandsanleihen oder Schiffsfonds.

 

Anmerkungen zum Euro Target 2 Verrechnungssaldo

Seit der Euro Einführung 1999 wurden für grenzüberschreitende Geldüberweisungen die nationalen Notenbanken miteinander verbunden. Hierdurch entstand das TARGET System (Trans-European-Automated-Real-Time Gross Settlement Express Transfer System). 2007 wurde die gemeinsame technische Plattform Target 2 ins Leben gerufen. Die EZB ist die zentrale Verrechnungsstelle. Grenzüberschreitende Zahlungen werden über die EZB abgewickelt und verrechnet.

Kauft eine griechische Firma Ware bei einem Deutschen Hersteller, überweist seine Hausbank die Summe an die griechische Nationalbank und die wiederum an die EZB. Die EZB wiederum schreibt diesen Betrag dem Konto der Bundesbank gut. Die Bundesbank überweist den Betrag der Hausbank des Deutschen Exporteurs, die ihm den Betrag gutschreibt.

Durch diesen Vorgang bauen die griechische Nationalbank und die Bundesbank TARGET Salden gegenüber der EZB auf. Die Bundesbank erhält eine Forderung gegen die EZB, die griechische Notenbank geht eine Verbindlichkeit ein.

Seit der Lehman Pleite 2008 erhalten einige Banken keine Kredite mehr über den Markt, so dass sie darauf angewiesen sind, sich direkt Geld bei der EZB zu leihen. Dadurch können Banken in den Krisenländern über die EZB von den starken Nationalbanken wie aus einem Geldautomaten ohne Limit und zinslos Geld beziehen und ihre Kunden in der Eurozone einkaufen.

Abbildung der US-Geldmengen

Da Deutschland der größte Exporteur in der Eurozone ist, sammeln sich hier die größten Forderungen, bis 31.12.17 erreichte der Saldo 906 Mrd. Euro. Den höchsten negativen Saldo weist derzeit Italien mit 436 Mrd. Euro aus. Die meisten Verbindlichkeiten stehen gegenüber der Bundesbank. Solange es die Währungsunion gibt und kein Land die Eurozone verlässt, besteht für Deutschland keine unmittelbare Gefahr. Sobald ein Land aus der Währungsunion austritt, wird es teuer. Würde Griechenland den Euroraum verlassen, werden seine Target Verbindlichkeiten sofort fällig, von derzeit 60,6 Mrd. Euro würden 27% auf die Bundesbank entfallen, das wären 16,4 Mrd. Euro, die natürlich von den Griechen nicht bezahlt werden könnten, aber für Deutschland noch verkraftbar wären. Aber was wäre, wenn Italien oder Spanien folgen würden? Oder die Währungsunion auseinanderbräche? Dann hätte die Bundesbank fast eine Billion offene Forderungen in ihrer Bilanz gegenüber einem Eurosystem, das nicht mehr existiert.

Jährlich steigen die Forderungen der Bundesbank um etwa 200 Mrd. Euro weiter an. Das würde in fünf Jahren eine Verdoppelung der Forderungen bedeuten. Mit jedem weiteren Jahr wird es schwieriger, den Teufelskreis zu durchbrechen. Aus Angst vor dem Auseinanderbrechen lässt man den Schuldner lieber weiter «anschreiben». Bemühungen, den Target Saldo zu reduzieren, gibt es nicht. Wahrscheinlicher ist irgendwann eine Währungsreform. Dann würden die Deutschen trotz brummender Konjunktur zum wiederholten Mal einen Teil ihres Geldvermögens verlieren.

Die Targetsalden sind eine finanzielle Zeitbombe. Anleger sollten ihr Geld absichern und in Aktien investieren. Diese sind Sondervermögen und können nicht vom Staat konfisziert werden. Zudem sind sie langfristig als einzige Anlageklasse langfristig rentabel.

 

14.02.2018 Fondsauswertung der gefragtesten Fonds der letzten Wochen

Fondsname

KVG

Performance
1 Jahr

DWS Top Dividende LD

DeutscheAMgmtGmbH

 -7,13%

 

MultipleOpportunit R

Flossbach von Storch

+2,63%

 

DWS Deutschland LC

DeutscheAMgmtGmbH

+8,03%

 

VermMgmtBalanceA EUR

AllianzGI GmbH

 -0,34%

 

Carmignac Patrimoine

CARMIGNAC GESTION

 -2,35%

 

VermMgmt Subst A EUR

AllianzGI GmbH

 -0,48%

 

FrankAktienfdsStiftT

AXXION S.A.

+10,23%

 

Kapital Plus - A EUR

AllianzGI GmbH

+1,25%

 

PrivatFonds:Kontroll

Union Investment

+0,74%

 

Deka-Div.Strat. CF A

Deka Investment GmbH

 -3,24%

 

 

Alternative Anlagestrategie mit jährlichem Rebalancing zur Beibehaltung eine strikten Anlagepolitik

 

Aufteilung eines Langfrist-Depots mit jährlichem RE-Balancing

Aktien

Immobilien

Rohstoffe

Edelmetalle

Anleihen

Cash

45%

15%

10%

10%

15%

5%

Aufteilung Aktien:

USA

US

Europa

Europa

Europa

China

Indien

Korea

Japan

Big

Small

Big

Medium

Small

 

 

 

 

5%

5%

5%

5%

5%

5%

5%

5%

5%

 

Silber DB Physical Silver          ETC

A1E0HS

Rohstoffe

 

Xetra-Gold ETC auf Gold

A0S9GB

LBBW RS Flex R

A14XPW

Immobilienaktien

 

Com Stage Commodity ex-Agriculture

ETF090

LEG Immobilien

LEG111

Europa big

 

Dt. Wohnen

A0HN5C

Comstage Eurostoxx Sel. Dividend 30

ETF051

Vonovia  

A1ML7J

Europa medium

 

USA big

 

iShares MSCI EMU Mid Cap

A1W370

Deka MSCI USA Large

ETFL09

Europa small

 

USA small

 

UBS ETF (LU) MSCI Small Cap ETF

A1JHNE

Amundi ETF Russel 2000 ETF

A1W9FT

Indien

 

Japan

 

Amundi ETF MSCI India

A0RF48

Deka MSCI Japan ETF

ETFL30

China

 

Korea

 

Deka MSCI China ETF

ETFL32

iShares MSCI Korea

A1C1H3

Anleihen ETF

 

 

 

Meag Euroertrag

A141UM

 

 

Ovid Infrastructure Income

A112T8

 

 

Deutscher Mittelstandsanleihen Fds

A1J698

 

Kurzer Rückblick auf 2017

Das zurückliegende Jahresende hat wie erwartet keine nennenswerten Kursanstiege mehr gebracht. Die Weltwirtschaft ist fundamental jedoch robust, was sich z.B. im Wachstum des Welthandels in Höhe von 5% zeigt.

Die Zinsen wurden in den USA zum fünften Mal in Folge am 12. Dezember angehoben. In Europa werden sie unserer Meinung nach noch längere Zeit sehr niedrig bleiben. Für die Finanzmärkte ergibt sich dadurch die günstige Konstellation von weiter expansiver Notenbankpolitik und mäßig steigender Konjunktur.

Inflation, die merkliche Zinsanhebungen notwendig machen würde, notierte zuletzt in den USA bei 1,4%, in Europa ist sie auf 1,3% zurückgegangen.

Die Markttechnik, ein anderer Ausdruck für die Stimmung an den Finanzmärkten, lässt sich durch das put/call Verhältnis ausdrücken. Sie liefert in den USA ein so starkes Verkaufssignal wie seit dem Börsencrash 1987 nicht mehr. Vor einigen Tagen wurde ein Anteil von 94% Optimisten an der  Technologiebörse Nasdaq gemessen. Am Tag danach verloren die Technologie-Titel 3,7%.

Abgesehen davon, notieren die 30 wichtigsten Märkte alle über ihrem 200-Tage Durchschnitt, eine Marke die ein positiver Indikator ist.

Ab 11. Dezember wurde an der Börse in Chicago der ultra-spekulative Future Handel auf Bitcoins begonnen. Seitdem sind dessen Kurse rückläufig.

Die US Steuersenkung ist beschlossen, sie wird nur 0,1% der reichsten -US Amerikaner helfen. Diese haben aber nur eine sehr geringe Grenzkonsumneigung.

Für die Technologieunternehmen, die die meisten Milliarden in Steueroasen geparkt haben, ist der geplante Rückhol-Steuersatz von 14% „enttäuschend“. Der Satz ist höher, als bei der Steueramnestie von 2004 als von Bush 312 Mrd. USD mit 5,25% belegt wurden.

In China liegen die 5-Jahres Zinssätze über denen der 10-jährigen Zinsen, die Zinskurve ist also „invers“, normalerweise ein Vorbote für eine Konjunktur-Eintrübung.

Marktbreite gering.Außerhalb Japans schnitten in Asien nur 28% der Aktien besser als die Indizes ab, was eine außerordentlich geringe Marktbreite ist. Die sechs größten Wachstumsaktien Asiens trugen ein Drittel zum Anstieg des MSCI Asien ex Japan beim.  An der Wallstreet machten die vier größten Aktien knapp die Hälfte des Indexanstiegs aus, eine ebenfalls ausgesprochen schwache Marktbreite. Ohne die größten Technologietitel hätte der breit gestreute S&P 500 in Euro gerechnet sogar verloren, er stieg in USD bekanntlich um über 20% an. Viele Fonds haben in Euro gerechnet kein gutes Jahr 2017 erlebt, was bei einem Währungsverlust von 15% für den USD und starken Rückgängen anderer Währungen gegenüber dem Euro verständlich ist . Der Welt-Aktienindex fiel in Euro sogar um 6%. Die Indizes täuschen darüber hinweg, dass international nur sehr wenige, in Indizes hoch gewichtet Titel zum Anstieg des Index geführt haben. Die breite Masse der Aktien tendierte seitwärts.

Die Vielzahl an Warnungen von institutioneller Seite ist derzeit auffallend. So warnen derzeit große Brokerhäuser und Banken vor Anlagen in US Aktien. Auch die BIZ Bank und Merrill Lynch äußerten sich eher vorsichtig zur weiteren Börsenentwicklung. Ratsam erscheinen es daher aktuell, Umschichtungen in defensive europäische Versorgertitel, Telecoms oder Öl Titel vorzunehmen.

 

Ausblick auf 2018

Die Märkte sind derzeit Ende Januar noch etwas übergekauft, trotzdem sind die Aussichten mittelfristig aussichtsreich. Gründe hierfür sind die erstmals seit Jahren deutlich steigenden Unternehmensgewinne sowie die nach wie vor expansive Notenbankpolitik.

Der starke Anstieg der Börsen in den ersten Wochen des Jahres erfolgte angesichts ausgezeichneter Wirtschaftsdaten und eines relativ schwachen Vormonats. Ob sich diese Anstiege als Euphorie oder Überoptimismus bezeichnen lassen, wie viele Anleger deuten, oder aber den Beginn einer längeren freundlichen Börsenphase kennzeichnen, wie in der Mehrzahl der Fälle in der Vergangenheit, werden erst die kommenden Monate zeigen.

Eine häufige Börsenregel besagt, dass die erste Woche eines neuen Börsenjahres eine Vorgabe für den weiteren Jahresverlauf ist. Die markante Ausnahme hierfür ist das Jahr 1987 mit dem Oktober Crash. Aus markttechnischer Sicht (Überoptimismus) ähnelt die aktuelle Lage tatschlich der des Jahreswechsels 1986/87.

Eine andere Statistik besagt, dass seit 1928 in 2/3 aller Jahre einem sehr guten Vorjahr mit >20% Anstieg ein weiterer Anstieg um durchschnittlich 10% folgt. In den letzten 44 Jahren gab es nur in 10% der Fälle ein Baissejahr, wenn der S&P500 im Vorjahr um 20% gestiegen ist.

Es sind weitere Indizes, wie der US-Value-Line Index, der erst im 4. Quartal 2017 neue Höchstkurse erreicht hat, gleiches gilt für den deutschen Kursdax, der erst jetzt seinen Stand aus dem Jahr 2000 erreicht hat. Tatsächlich erreichen viele deutsche Aktien, wie Allianz und Siemens, erst jetzt wieder Kurse aus dem Jahr 2000, andere Titel wie Banken und Versorger, liegen sogar weit unter den Kursen des Jahres 2000. Das spricht für weiteres Kurspotential.

Gefahren für die Märkte drohen im Laufe des Jahres am ehesten bei steigenden kurzfristigen Zinsen und deutlichen sinkenden Geldmengenvolumina.

Ob die Aktienhausse 2018 enden wird, hängt entscheidend von der Anzahl weiterer Zinserhöhungen ab. Zwar liegen die Zinsen für 2-jährige US Anleihen mit 1,95% wieder über der mittleren Dividendenrendite von 1,9%. Wichtige wird aber die Frage sein wie die Notenbanken die Liquidität zurückfahren wird und die Aktenanleger so zu Aktienverkäufen zwingen könnte.

Abbildung der US-Geldmengen

Im Kern lautet die entscheidende Frage: Bei welchem 10-Jahres- Staatsanleihen Zinssatz UND welcher Liquiditätsreduzierung kippt die WallStreet? Als Signale für Liquiditätsbegrenzung gilt die Zinsstrukturkurve. Erst eine inverse Kurve hat in der Vergangenheit Aktienbaissen ausgelöst und dies mit einer zeitlichen Verzögerung von 6 Monaten. Unserer Meinung nach ist hier erst von einer Gefahr auszugehen, wenn die kurzfristigen Zinsen, aktuell bei 1,5%, auf über 2,8-3% steigen. Bei den letzten großen Aktienbaissen der Jahre 2000 und 2007 betrugen die kurzfristigen Zinsen 6% bzw. 5% und die Zinskurve war invers. Der Vorteil dieser verlässlichen monetären Indikatoren ist, dass die Anleger einige Monate für ihre Maßnahmen an den Finanzmärkten Zeit haben, zu reagieren. FAZIT: Erst weitere deutliche Zinsanstiege bedeuten eine wirkliche Gefahr für die Finanzmärkte.

Die USA wünschen sich keinen Starken Dollar, da die gegenwärtigen Gewinnanstiege der US Unternehmen ausschließlich währungsbedingte Auslandsgewinne sind. Binnenmarktorientierte Unternehmen verzeichneten bis jetzt keine Gewinnanstiege.

Die US-Notenbank nimmt durch ihre Maßnahmen nicht nur Einfluss auf die Inflationsentwicklung, sondern auch auf die Devisenkurse. Es ist durchaus möglich, das die FED im aktuellen Zyklus mit Rücksicht auf Trump und die US Konjunktur länger mit Zinserhöhungen wartet und dies die Börsen positiv beeinflussen wird. Anders als in den USA, geben die Notenbanken in Europa und Japan weiter Vollgas. Es ergibt sich die geschichtlich einmalige Situation, dass trotz guter Konjunktur und hervorragenden Unternehmensgewinnen die Notenbanken überreichlich Liquidität zur Verfügung stellen- ohne wirklich nennenswerte Inflation. Somit bleibt als Anlageklasse nur die Aktienanlage gegenüber den unattraktiven festverzinslichen Papieren, die bei steigender Inflation zudem kursgefährdet sind.

Auf der Devisenseite setzte der Euro erwartungsgemäß seinen Aufwärtstrend fort. Langfristig sehen wir ihn noch stärker, kurzfristig dürften der Anstieg aufgrund der Zinsdifferenz gegenüber dem US-Dollar begrenzt sein.

Analytisch ist für uns der Euro noch immer deutlich unterbewertet. Das US Budgetdefizit ist erneut über 3% gestiegen, durch die Trump Steuersenkung wird es im kommenden Jahr bei 4,5% liegen. In Deutschland liegt das Haushaltsdefizit bei 0%, in der Eurozone allgemein unter 3%, Ausnahmen Spanien und Frankreich. Eine Währung ist dann schwach, wenn der Staat inflationär die Schuldenquote heraufsetzt oder wenn die volkswirtschaftliche Kredit-Gewährung zu hoch ist (aktuell US Bankkredite an Privatkunden +8%, in Europa +2-3%).

Am deutlichsten fällt die Unterbewertung des Euro auf, wenn man die Unterschiede in den Zahlungs- und Leistungsbilanzen vergleicht. Deutschland erwirtschaftet mit 235 Mrd. Euro fast den gesamten Überschuss in der Eurozone. Die USA haben dagegen das mit Abstand größte Leistungsbilanzdefizit der Welt mit monatlich 60 Mrd. USD Defizit.

Nur ausländische Kapitalzuflüsse finanzieren weiterhin den amerikanischen Konsum. Nur so können sich die Amerikaner diesen Mehrkonsum gegenüber ihrer eigenen Leistung leisten.

Leistungsbilanzüberschüsse führen zu einem Anstieg der Währungsreserven und Forderungen gegenüber dem Ausland. Im Grunde könnte Deutschland den Aufbau seiner Währungsreserven (derzeit 169 Mrd.) vorantreiben, angesichts der oben genannten 20 Mrd. Euro Überschüssen pro Monat.

Durch die Euro Einführung ist das nicht mehr möglich. Anders, als z.B. Norwegen kann Deutschland nicht für die Zukunft vorsorgen und z.B. in einem Billionen schweren Ölfonds investieren. Die deutschen Forderungen gegenüber den Euroländern belaufen sich aktuell auf 1000 Mrd. Euro, Tendenz steigend. Nach Meinung vieler Wirtschaftsexperten ist das aber kein werthaltiger Vermögensfaktor. Von diesem Betrag wird das Land nie etwas zurückbekommen.

Es ist insofern interessant, dass trotz dieser Billionenhilfen für die Mittelmeerländer keine Dankbarkeit, sondern wachsende Anfeindungen zurückkommen, siehe aktueller Wahlkampf in Italien. Kritik kommt auch aufgrund des Leistungsbilanzüberschusses von 8% der Wirtschaftsleitung. Dieser ist primär eine Folge des für Deutschland zu schwachen Euro, ohne den der Lebensstandard in Deutschland viel höher wäre. Gleichzeitig fördert der Euro die starke Abhängigkeit vom Export, so dass ein Abschwung der Wirtschaft Deutschland entsprechend stärker treffen würde, ohne entsprechend vorgesorgt zu haben.

Haupteinflussgröße ist Inflation, denn nur bei niedriger Inflation können die Notenbaken weiter eine expansive Geldpolitik betreiben. Inflationserwartungen haben dagegen einen positiven Effekt auf den Goldpreis, der zuletzt wegen schwachen US- Dollars in Euro sogar gesunken ist.

Bis jetzt stiegen die Teuerungsraten weit weniger, als bei sonst anziehender Konjunktur. Die Wissenschaft geht im Allgemeinen von einem engen Zusammenhang von Arbeitsmarkt und Inflation aus. Derzeit scheint diese Erkenntnis der Wissenschaft aber nicht zu funktionieren. Trotz einer US Arbeitslosenquote auf 18-Jahres-Tief (4%) scheint es genügend Arbeitskräfte zu geben, die unbeschäftigt oder unterbeschäftigt sind und deren Arbeitsangebot die Lohnsteigerungen auf niedrigen Werten halten. Auch die Partizipationsrate von 62% ist auf einem jahrzehntelangen Tiefststand: dieser Sachverhalt wurde von Trump im Wahlkampf richtigerweise berücksichtigt, indem er von 96 Millionen Amerikanern sprach, die keinen Job haben und von 46 Millionen von Essensmarken Lebenden.

Größte Inflationstreiber waren in den letzten 12 Monaten der zyklische Ölpreis und die volatilen Immobilienpreise, ohne diese zwei betrug die Kerninflation moderate 0,6%. Da der Ölpreis durch verstärkte Produktion durch Fracking sehr flexibel kontrollierbar ist und sich auch bei Mietwohnungen ein Überangebot abzeichnet, ist von einembesorgniserregenden Anstieg der Inflation in den USA nicht auszugehen.

Oldenburg, Januar 2018               Dr. Frank Henschel