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Anleger Börsenbrief März 2018

 

Liebe Anleger,

was bewegt die Märkte in diesen Märzwochen kurz vor Ablauf des ersten Quartals 2018?
Einer der Einflüsse auf die Märkte kann der drohende weltweite Handelskrieg, ausgelöst durch die Verhängung von Importzöllen auf Alu und Stahl, durch Trump sein. Die tatsächliche Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen aus einem solchen Handelskrieg sind indes sehr schwer abschätzbar.

Eine Eskalation des Handelskrieges könnte tatsächlich zu größeren Kursschwankungen an den Märkten führen.

Vorläufig treffen die Strafzölle auf Aluminium und Stahl nur 2% aller US Importe. Eine Ausweitung auf Autoimporte ist aber nicht unwahrscheinlich. Zuletzt erhob George W Bush im Jahr 2002 einen 30% Zoll auf Stahlimporte. Spätere Untersuchungen ergaben, dass diese Zölle 200.000 Jobs in den USA kosteten. Grund: verschlechterte Wettbewerbsbedingung in den USA! Somit verloren in den USA mehr Personen ihren Job, als allein in der US Stahlbranche arbeitete. Das wenig überraschende Fazit: Handelskriege kosten Jobs, Wachstum, Lebensstandard und Wohlstand.

Das Problem: Trump kann auch ohne Einschaltung des Parlaments Strafzölle verhängen. Diese hatten die USA 1929/30 verfügt und den Welthandel massiv blockiert. Deutschland, das damals seine Reparaturzahlungen für Weltkrieg 1 abzahlen musste, konnte seine Waren nicht verkaufen und rutschte in eine Rezession. Der US Protektionismus hat die damalige politische Radikalisierung zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten in Deutschland wesentlich begünstigt.

Deutschland ist vom weltweiten Handel stärker abhängig, als viele andere Länder, z.B. mehr binnenmarktorientierte Länder wie Frankreich oder England.

Der planlose Umgang der Politik mit der Automobilindustrie in Bezug auf Schadstoff- Emissionen lässt hier weiteren Raum für Überlegungen:
So unklug es auch von Herstellerseite war, Dieselabgas Manipulationen zuzulassen: die rein ideologisch-politischen, aber wissenschaftlich nie begründeten Abgaswert-Forderungen waren zeitnah auf ehrliche Weise nicht zu erreichen. Zudem fragt man sich, warum nur bei deutschen Fahrzeugen und nur in Deutschland solch drastische höchstrichterliche Urteile gefällt werden. Nirgends sonst wird in annähernder Härte eine ganze Branche systematisch bekämpft. Dass alles angesichts des Sachverhalts, dass die Politik sich jahrzehntelang nur um den Klimaschutz (Co2 Ausstoss) und nicht um die Luftqualität (Stickstoffoxide) kümmerte.

Wenn jetzt wieder mehr Benziner verkauft werden, verschlechtert sich die Luft genauso, wie nach der politisch durchgesetzten Klimawende, als durch verstärkten Kohleeinsatz ebenfalls die Co2 Emissionen anstiegen. Würde die deutsche Politik mehr in intelligente Ampelschaltung, besseren Verkehrsfluss oder z.B. digitale Netze zur Parkplatzsuche investieren, als zweifelhafte Abgaswerte zu fordern, wäre der Milliardenüberschuss besser investiert.

 

Automobilaktien

Wie bereits diskutiert, ist von politischer Seite kein Rückenwind für die deutschen Automobilaktien zu erwarten.

Dazu kommt wirtschaftlicher Gegenwind: international stagnieren die Autoabsätze, in den USA werden dieses Jahr 17 Millionen Fahrzeuge verkauft, so viele wie bereits vor 30 Jahren. Auch in China stagniert der Absatz. Der Brexit wird die deutschen Hersteller ebenfalls Verkaufsvolumen kosten. Viele Auto Käufer stellen sich aktuell die frage, ob sie auf ein Elektrofahrzeug umsteigen sollen. Die Reichweitenzahlen zeigen, dass Hersteller Versprechungen nicht eingehalten werden, kleinere Hybrid-Fahrzeuge laufen elektrisch im Winter nur 20 km. Zudem verdienen die Hersteller bei der Herstellung von kleinen Elektrofahrzeugen laut Fiat sowieso kein Geld.

Sicher ist, dass die deutschen Hersteller VOR einer größeren Investitionsschwelle im zweistelligen Milliardenbereich stehen. Aktienkurse steigen in der Regel aber immer erst NACH Abschluss der Investitionsjahre. Nicht aber am Anfang oder während der Investitionsphase (Abschreibungen verringern die Gewinne). Keine andere Branche steht derzeit vor einem so hohen Investitionsbedarf.

Beim Blick in die Bilanzen deutscher Autohersteller fragte sich bisher niemand, warum trotz zuletzt exzellenter Gewinne so hohe Schulden angegeben werden. Diese Schulden resultieren zu einem erheblichen Teil von Leasing Töchtern. Diese Leasing Positionen standen bisher zum Marktpreis in den Büchern, dieser Marktpreis dürfte nach Urteilsspruch des Verwaltungsgerichts in Leipzig um 20 % sinken. Folge des 20% Wertrückganges der Leasingflotte wird ein etwa 8% Rückgang der Marktkapitalisierung der Hersteller.

Ein weiterer Punkt, der von der Masse der Analysten bisher nicht berücksichtigt wurde: Die höchste Kostenquote der Hersteller ist der Materialkostenanteil und hier trägt Stahl den höchsten Anteil. Wenn jetzt international bis zu 25% Preiserhöhungen bei Stahl durchgesetzt werden, bei Aluminium sogar 80%, kommen auf die Hersteller schlicht deutlich höhere Kosten zu.

Hinzu kommen Kosten bei Dieselnachrüstungen, beim Einbau von Katalysatoren zum Preis von 2500 Euro pro Stück, können die Dieselemissionen um 70% gesenkt werden, übrigens auch bei Benzinern. Der Gesetzgeber könnte also verfügen, die Fahrzeuge auf Kosten der Hersteller nachzurüsten.

In der Summe aus schwierigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen raten wir derzeit bei Automobilaktien zum Verkauf.