Wallpaper

Beurteilung der aktuellen Börsensituation

Das Jahr 2018 startete mit einer seit Jahrzehnten nicht gekannten Einigkeit unter den Analysten, die besten Voraussetzungen für ein gutes Börsenjahr zu haben. Moderater, weltweiter Konjunkturaufschwung bei niedrigen Inflationsraten. Die Prognosen waren 8-15% Kursanstiege.

Am Ende des Jahre ist ein weltweiter Abschwung zwischen 10% und 22%, je nach Börsenmarkt, zu verzeichnen. Der DAX erlebte das zweitschlechteste Schlussquartal seit seinem Bestehen, der amerikanische Index den schlechtesten Dezember seit 1929.

DAX Performance im letzten Quartal seit Bestehen

Wir waren noch im Oktober von einem positiven Jahresendverlauf ausgegangen, in der Annahme, dass die sich der Einfluss negativer Faktoren abschwächen würde. Und tatsächlich gibt es im Handelskonflikt USA-China Zeichen der Entspannung, die Italienkrise wurde ebenfalls entschärft. Der BREXIT ist eher ein isoliert auf UK zu bewertendes Politikum.

Verbleibt die US Notenbank Politik. Hier ist es zu einem Anstieg der Kurzfristzinsen auf 2,5% gekommen, ein Wert, der immer noch weit von den 6.5% der früheren Baissen entfernt ist. Gleichzeitig ist die Zinsstrukturkurve immer noch nicht invers. Erst eine inverse Zinsstrukturkurve kündigt in der Regel mit einem Vorlauf von 6 Monaten eine Börsenbaisse an.

DAX Performance im letzten Quartal seit Bestehen

In der Grafik der letzten 20 Jahre für den Performance Dax sehen Sie an der oberen schrägen Kante das jeweilige Jahresergebnis, die -18 beziehen sich auf das Jahr 2018 (ein angenommener Ankauf sei am 31.12.17 erfolgt). Die sechs Jahre davor gab es positive Entwicklungen. Nur im Zeitraum 1980-86 gab es mit sieben nachfolgenden positiven Jahren eine längere Erfolgsphase als im Zeitraum 2012-17. Wer zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt am 1.1.2008 den DAX gekauft hätte, müsste ein Jahr später einen Buchverlust von 40% beklagen. Hier war sehr viel Geduld gefragt, denn auch Ende 2009 betrug der Buchverlust noch 14%, ein Jahr später noch 5%. Erst Ende des Jahres 2013 wäre der Anleger wieder im Gewinn mit einem Plus von 3%

Ein anderes Schaubild, das die Besonderheit des Jahres 2018 zum Ausdruck bringt, ist das folgende: (klicken zum Vergrößern)

DAX Performance im letzten Quartal seit Bestehen

Das Schaubild zeigt, dass aus einem Korb von 17 Anlageklassen mit keiner Anlageklasse ein positiver Ertrag erzielt wurde. Das ist besonders auffällig, weil nach allgemeinen Marktgesetzen zwischen einzelnen Klassen eigentlich keine Konformität bestehen dürfte. Besonders der ‚Gegenspieler‘ von Wertpapieren, die Anleihe, verzeichnet in schwierigen Börsenjahren leicht positive Entwicklungen. Im gerade abgelaufenen Jahr war das nicht der Fall.

China und die USA nehmen derzeit Gelder vom Markt durch Verkäufe von Staatsanleihen. Seit Monaten entsteht an den Märkten eine negative Überschussliquidität. Das bedeutet, dass das Geldmengenwachstum niedriger ist als für das nominale Wirtschaftswachstum „erforderlich“.

Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsraten moderat von 1,8% auf 1,5% zurückgenommen, was keinen Grund für das schlechte Börsenjahr darstellt.

Trotz dieser aktuell schlechten Entwicklung sehen wir auf absehbare Zeit keine Alternative zur Aktienanlage. Zinserhöhungen seitens der EZB sind nicht zu erwarten, Sparer werden weiter mit Nullzinsen leben müssen und gleichzeitig 2% Inflation berücksichtigen. Wir raten auch Anlegern, deren Risikoneigung eigentlich nicht Aktien entspricht, Wertpapiere mindestens zu 30-40% beizumischen. Wer schon länger breit gestreut in Aktien investiert ist, weiß, dass diese Phasen unangenehm, aber kein Dauerzustand sind. Auf lange Sicht steigen die Kurse um 5-6% jährlich. Die Aufs und Abs lassen sich nicht prognostizieren und Anleger müssen mit diesem Risiko leben. Wer das scheut, verbleibt auf absehbare Zeit im Zinstal. Vernünftige Alternativen gibt es nicht, zumindest nicht ohne Risiken. Denn auch Immobilienwerte schwanken, nicht so sichtbar wie Aktien. Aber hier kommt das böse Erwachen oft am Ende.

Fassen wir noch mal die Faktoren zusammen, die aus unserer Sicht für eine kräftige aber zunächst kurzfristige Gegenbewegung sprechen:

  • Hoher Anteil an Pessimisten (ein typischer ‘Kontra-Indikator’, da Pessimismus dann am höchsten ist, wenn Tiefpunkt erreicht wird)
  • Rekordhohe Differenz zwischen Aktienrendite (3,6%) und der Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen (aktuell 0,4%)- zu erwartender erheblicher Rückenwind für Dividendenaktien (Telekoms, Versorgertitel)
  • Positiver Saison Rhythmus noch bis Februar
  • Ende der «Aktienrückkauf-Pause» in den USA
  • Günstige Markttechnik ‘put:call’ Verhältnis
  • Gute Quartalsgewinne in den USA
  • Bis auf US Technologie -Titel weltweit keine Überbewertung von Aktien

Nach einer deutlichen kurzfristigen Gegenbewegung auf etwa 12000 Punkte erwarten wir eine volatile Seitwärtsbewegung. Für einen nachhaltigeren Anstieg müsste die FED ihre Zinsanhebungspolitik beenden und den Verkauf von Staatsanleihen stoppen. Dies wird vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 erfolgen, nach schwächeren Wirtschaftszahlen und sinkenden US-Börsen. Aussagen der FED zur Zinserhöhung am 19.12 machten den Anfang und lieferten hierfür erste Hinweise.

Auf gute Investments!