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Spätes 19. Jahrhundert. Walras und Pareto

Gut 100 Jahre später, mit Ende des 19. Jahrhunderts, wurden die Ingenieurswissenschaften zur intellektuellen Leitkultur. In ihrem Gefolge hielt die Mathematik erstmals Einzug in die Wirtschaftslehre, die in dieser Epoche besonders von Walras (1834-1910) und Pareto (1848-1923) geprägt wurde, beide übrigens ausgebildete Ingenieure. In den 150 Jahren vor Walras hatte die Mathematik enorme Fortschritte in der Beschreibung natürlicher Prozesse gemacht. Es lag nahe, sie auf die Wirtschaft anzuwenden und die Theorien zu vereinheitlichen. Die Auswirkungen von Walras und Pareto sind bemerkenswert, denn danach sind die Wirtschaftswissenschaften nie wieder auf das frühere, vormathematische Zeitalter zurückgefallen. Es konnten jetzt Voraussagen zu wirtschaftlichen Entwicklungen gemacht werden, die im Prinzip nicht weniger präzise waren als diejenigen der Physik.

Seitdem entwarfen Ökonomen mathematische Modelle, in der Hoffnung, die Realität werde schon klein beigeben, wenn sie mit diesen kristallklaren Analysen konfrontiert werden. Das Denken findet seitdem in Formeln und Zahlen statt. Die erforderlichen Annahmen für diese Klassische Theorie sind zwar vereinfachend, aber nachvollziehbar: sie gehen von der Voraussetzung aus, dass das Motiv des Menschen ist, seinen Nutzen zu mehren, sich Angebot und Nachfrage im Gleichklang träfen, und die Wirtschaft dadurch immer wieder ins Gleichgewicht zurückkehre.