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Vom Entstehen des Kapitalmarktes

Die ersten Anzeichen des neuzeitlichen Finanzsystems reichen ins Jahr 1602 zurück. In Amsterdam versuchten einige Handelshäuser, die immer längeren und aufwändigeren Reisen nach Asien zu finanzieren. Nach der Vernichtung der Armada durch die Engländer 1588, war es leicht, iberische Handelsniederlassungen in Asien zu übernehmen. Hierfür bedurfte es einer militärischen und kaufmännischen Infrastruktur, die durch den Zusammenschluss von Amsterdamer Handelshäusern zur Ostindischen Kompanie erreicht wurde. Ausgestattet mit einem 25-jähirgen Handelsmonopol und einer Reihe anderer souveräner Rechte durch den Staat, konnte der Handel intensiviert werden. Um die zeitlich anspruchsvollen und nicht überschaubaren Projekte aber wirklich in die Tat umzusetzen, bedurfte es der Ausgabe nicht - rückzahlbarer Anteilsscheine, Aktien genannt, im Gegenwert von 65 Millionen Gulden. Aktionäre waren Inhaber des Unternehmens, nicht Gläubiger und über Dividendenzahlungen an den Gewinnen des Unternehmens beteiligt. Diese waren zwar unsicherer, als fest vereinbarte Zinszahlungen, aber potentiell lukrativer.

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Die Ostindische Kompanie wurde ein voller Erfolg und sorgte dafür, dass die Amsterdamer Börse das europäische Finanzzentrum darstellte. Die Niederlande kontrollierten Mitte des 18. Jahrhunderts den größten Teil des Asienhandels, eroberten 1641 das portugiesische Malakka und erreichten ab 1667 die absolute Monopolstellung auf den Handel zwischen Asien und Europa.

Finanziell verfügte die Ostindische Kompanie über weit grössere Möglichkeiten, als bei Ihrer Gründung erwartet worden war. Eine zeitgleich in London gegründete East India Company stellte lange keine Konkurrenz dar. Die Ostindische Kompanie hielt in den 200 Jahren ihres Bestehens 4700 Schiffen unter Segel und transportierte eine Million Passagiere.

Gründe für den Niedergang der Ostindischen Kompanie waren die immer bessere Kontrolle des Ärmelkanals durch die Engländer und die über die Jahre immer stärkere Korruption im fernen Indien. Die Gouverneure waren oft Abenteurer, die zielstrebig in die eigene Tasche wirtschafteten und weniger das Interesse der Aktionäre im Auge hatten.

Dieses Problem der Aktiengesellschaft ist bis heute geblieben. Es hat die Existenz der Ostindischen Kompanie überlebt, die 1798 verstaatlicht wurde. Das ursprüngliche Konzept der Aktiengesellschaft hat im Grundsatz bis heute überlebt.

Der niederländische Erfindungsreichtum beschränkte sich allerdings nicht auf die Ostindische Kompanie. Hugo Grotius legte den Grundstein zum Völkerrecht durch seine Proklamation der Freiheit der Meere. 1609 wurde durch Gründung der Amsterdamer Wechselbank erstmals bargeldloser Kontenausgleich eingeführt und damit das Buchgeld erfunden. Die erste Zentralbank der Geschichte war entstanden.

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